"Auf der Walz sein". Was bedeutet das?
- Zander Holzstudio

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Viele Handwerker werden diese Bezeichnung in ihrer historischen Bedeutung kennen, aber auch heute wird vereinzelt diese Tradition gelebt. Bei der Walz handelt es sich um Wanderjahre eines ausgelernten Handwerksgesellen, der durch die Lande zieht, um jenseits des Wissens in der Ausbildung zum Gesellen auch weiteres Wissen zu erhalten und neue Erfahrungen zu sammeln. Dies sollte nicht nur das Wissen erweitern, sondern die Gesellen auch mit neuen Erfahrungen versorgen.

Die Geschichte der Walz
Während in der heutigen Zeit ca. 450 Menschen auf der Walz sind, geht diese Handwerkstradition auf das 12. Jahrhundert zurück und hat seinen Ursprung demnach im Mittelalter. Zur damaligen Zeit waren diese Wanderjahre eine feste Voraussetzung in der Handwerkszunft, um folglich die Weiterbildung zum Meister beginnen zu können.
Die damaligen Handwerkszünfte legten fest, wer als Handwerker arbeiten durfte und fällten die Entscheidung, wie lange die Walz dauerte. Ebenso wurden von ihnen die Regeln der Wanderjahre individuell festgelegt. Erreichte ein Handwerkergeselle eine fremde Stadt, musste er sich der dortigen Zunft vorstellen. Dann wurde entschieden, ob jener als Handwerker arbeiten durfte. Falls dies nicht der Fall war, bekam der Geselle ein Zehrgeld und zog dann in die nächste Stadt, um dort sein Glück zu versuchen.
Mit der Industrialisierung im 18. Jahrhundert rückte die Bedeutsamkeit der Wanderjahre eher in den Hintergrund, da die Industriebetriebe größer wurden und die Nachfrage nach eigenen Handwerkern, die schnell arbeiten konnten, stieg. Während der Weltkriege waren die Wanderjahre so wie verschwunden, denn die jungen Männer, die sonst im Handwerk gearbeitet hätten, mussten ihren Dienst als Soldaten verrichten, wobei bis zum Ende der 20er Jahre die Wanderjahre wieder sehr beliebt wurden.
Auch wenn nach den Weltkriegen die Anzahl der Männer auf der Walz wieder stiegen, wurde nie wieder der Stand der 1920er Jahren erreicht.
Auf der Walz - Rituale und Regeln
Die Ausrüstung der Gesellen
Die Wanderjahre sind eine althergebrachte Tradition und unterliegt somit einem festen Regelwerk. Als Ausrüstung stehen beispielsweise ein kragenloses weißes Hemd, eine schwarze Hose mit weitem Schlag und ein schwarzer Hut für Zimmermannsgesellen.
Ein essentieller Teil der Ausrüstung war der Charlottenburger. Hierbei handelt es sich um ein quadratisches Tuch, welches Wechselwäsche, Zahnbürste und Werkzeug enthielt. Ein Schlafsack für die Übernachtung in der Natur war ebenfalls ein Teil der Ausrüstung. Ein Wanderbuch, wo die Arbeitseinsätze und der Wanderstab vollendeten das Konvolut.
Die Rituale der Wanderjahre
In einigen Vereinigungen war des die Regel, dass der Geselle von einem Altmeister von seinem Heim abgeholt- und in einer Zeremonie auf Herz und Nieren geprüft wurde, bevor es auf die Walz ging. Danach wurde der Geselle auf die Reise geschickt. Er durfte für 3 Jahre nicht in die Heimat zurückkehren und musste einen Mindestabstand von jener wahren.
Auch wenn der Kontakt zur Familie aufrechterhalten werden durfte und im äußersten Notfall die Rückkehr in die Heimat erlaubt war, so durften in der modernen Zeit keine Handys mitgenommen werden. Eine feste Regel ist das Vorsprechen beim Bürgermeister bei Ankunft in eine neue Stadt. In früheren Zeiten wurde ein Brief des Meisters oder aus der Heimatstadt abgegeben, der eine Botschaft an den Bürgermeister übermittelte. Diese Botschaft war geheim, sodass niemand sich als falscher Wandergeselle ausgeben konnte.
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Besten Gruß aus der staubigen Werkelbude, Marco
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