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Hart- und Weichholz

Zwei Holztypen im Möbelbau


Im Zander Holzstudio wird ausschließlich gebrauchtes, altes Holz neu verarbeitet und in Form gebracht. Da ich mein Holz fleißig sammle oder auch geschenkt bekomme, habe ich es auch mit verschiedenen Holztypen zu tun. Ihr kennt das sicher auch, dass man bei manchen Holzsorten sogar mit dem Fingernagel schon Kratzer verursachen kann. Bei anderen Arten ist das nicht so einfach möglich. Hier unterscheidet man bewusst zwischen Hartholz und Weichholz, aber was bedeutet das eigentlich und wie kann man beide Holztypen effektiv verarbeiten? Das erkläre ich euch hier gern in diesem Beitrag.




Die Epoxid-Tischplatte wird abgefräst
Hier trocknen gesägte Apfelholzscheiben für die nächste Verwendung.
 

Die Darrdichte als Richtwert


Wie unterscheidet man denn zwischen Hartholz und Weichholz? Es gibt einen Richtwert, den man nutzen kann, um zwischen den beiden Typen zu unterscheiden. Die Darrdichte gibt das Gewicht des Holzes an, bei 100%iger Trockenheit. Da Holz allerdings organisches Naturmaterial ist, das immer wieder Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt und abgibt, wird nie ein vollständiger Trocknungszustand erreicht sein. Jedoch hilft die Darrdichte schon sehr bei der Unterscheidung zwischen Hart- und Weichholz.


Liegt ein Darrwert über 0,55 g pro Kubikzentimeter oder 550 kg pro Kubikmeter, so handelt es sich um Hartholz. Liegt der Wert darunter so ist es Weichholz. Wenn ihr beispielsweise eine Scheibe Eichenholz mit einer gleichgroßen Scheibe Fichtenholz vergleicht, so werdet ihr nicht nur einen Unterschied im Gewicht merken, sondern auch in der Beschaffenheit des Holzes. Fichtenholz ist beispielsweise grobporiger und hat somit auch mehr Lufteinschlüsse, was den Gewichtsunterschied erklärt. Eichenholz ist deutlich feinporiger und daher weniger Luft eingeschlossen.


Eine alte Palette wird abgeschliffen
Palettenholz wird neu genutzt - meist weiches Kiefernholz
 

Herkunft des Holzes


Ich verwende im Zander Holzstudio nur Holz, das ich finde. Meist ist das Holz dann aus der Region der Prignitz und Ostprignitz im schönen Brandenburg. Manchmal weiß ich aber selbst nicht genau, welchen Ursprung das Holz hat. Gerade wenn es schon über 100 Jahre alt ist, kann man es nicht mehr zurück verfolgen.


Aber wenn ihr euch mal dazu entscheiden solltet, Holz für die Verarbeitung zu kaufen, so ist auch das Herkunftsland entscheidend. In einigen Ländern wachsen Bäume schneller als in anderen. Gerade in den nördlichen Regionen, die durch kurze Sommer geprägt sind, wachsen die Bäume logischerweise langsamer und bilden somit dichtere Jahresringe. Je dichter die Ringe, umso höher die Dichte, umso härter das Holz. Kiefer und Fichte aus Sibirien, Nordkanada, Alaska und Nordeuropa sind beispielsweise dichter gewachsen als südliche Nadelhölzer und können somit härter, sowie besser verarbeitbar sein.


 

Einteilung der Holzarten


Früher habe ich immer gedacht, Nadelholz sei immer weiches Holz und Laubholz wäre hart. Aber so einfach ist das gar nicht. Wie schon gesagt, spielen einige weitere Faktoren eine Rolle zur Einteilung zwischen den beiden Holztypen.


Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass die meisten Laubhölzer zu den Harthölzern zählen. Sie wachsen dichter und feinporiger, und wiegen daher mehr. Wer von euch schon einmal mit Buche, Eiche oder Apfelholz gearbeitet hat, weiß wovon ich spreche. Die Verarbeitung ist deutlich aufwändiger und auch der Verschleiß der Werkzeuge ist sehr viel höher. Da haben Fingernägel auch keine Chance mehr.


Oft findet man in der Holzverarbeitung auch Fichte und Kiefer, zwei gängige Nadelhölzer in Deutschland, die sehr grobporig gewachsen sind. Allgemein zählen die Nadelhölzer zu den weichen Holzarten und sind somit auch leichter zu verarbeiten. Das Schleifen ist deutlich leichter und führt zu weniger Verschleiß.


Ein massiver Dachbalken aus sehr alter Eiche
Ein massiver Dachbalken aus sehr alter Eiche

Ist denn nun jedes Laubholz auch Hartholz? Nein, das wäre zu einfach. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Zum Beispiel sind die Pappel, Linde und Weide auch weiche Holzsorten. Ein besonderes Beispiel bildet auch der Kiribaum, den ich euch noch einmal separat beschreiben werde. Das sind schnell wachsende Baumarten, die somit auch ein weiches Holz beherbergen.


 

Eisenholz als Sondertyp


Vielleicht habt ihr ja schon einmal von den seltenen, sehr harten Holzarten aus den Tropen oder der Mooreiche gehört oder gelesen. Ja, das Holz hat einen besonderen Namen und nennt sich Eisenholz. Dieses Holz zeichnet sich durch eine sehr hohe Dichte aus und ist somit auch extrem hart. Generell kann man sagen, dass alles Holz mit einem Darrwert von 1 g pro Kubikzentimeter oder 1000 kg pro Kubikmeter als Eisenholz bezeichnet werden kann.


Eisenholz ist generell sehr hochwertig und somit auch hochpreisig. Es gibt einige Holzbetriebe, die sich auf das "Ernten" des Holzes aus Flüssen in der Tropenregion spezialisiert haben. Dieser Job ist nicht ungefährlich und der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Daher greifen Sammler gern auch sehr tief in die Tasche um das hochwertige Holz zu erhalten. Allerdings ist der Kauf von Tropenholz nicht wirklich nachhaltig und daher sehe ich im Zander Holzstudio vom Kauf solcher Hölzer ab. Wenn ich zufällig mal ein entsprechendes Holz finden sollte, könnte ich es verarbeiten, ehe es im Ofen landet, aber ansonsten nutze ich sehr gern einen gesunden Mix aus Hart- und Weichholz. Warum nicht nur Hartholz? Tja, das erkläre ich euch weiter unten.


 

Das richtige Holz korrekt nutzen


Eigentlich ist doch Hartholz immer besser zu verarbeiten als Weichholz, oder? Falsch, denn jeder Holztyp hat seine Vor- und Nachteile. Deswegen finden auch beide Holztypen in der Verarbeitung ihre gerechte Anwendung.


Weiches Holz ist leichter und auch etwas flexibler als hartes Holz. Auch trocknet es schneller und man kann es auch eher verarbeiten, wo Harzhölzer aufgrund ihrer Dichte, länger brauchen um den richtigen Trockenheitsgrad zu erreichen. Durch die Flexibilität finden weiche Holzsorten im Holzkunsthandwerk Verwendung. Wenn ihr z.B. mal in die Holzwerkstätten ins Erzgebirge fahrt, seht ihr, dass die feinen kleinen Bäumchen auf der Weihnachtspyramide auch weichem Holz gefertigt werden. Mit hartem Holz wäre dies sicher nicht gleichwertig möglich.


Auch finden weiche Holztypen in dem Möbelbau vermehrte Bedeutsamkeit. Sie sind einfacher zu verarbeiten. Holz ist ein Naturprodukt und "arbeitet" mit der Zeit. Das bedeutet, dass es sich in der Form auch verziehen kann, aufgrund des Feuchtigkeitsaustauschs. Dies wird bei harten Hölzern besonders merkbar.


Aber auch weiche Hölzer haben ihre Tücken. Gerade Nadelhölzer neigen dazu beim Trocknen das klebrige Harz abzusondern. Das kann die Verarbeitung behindern und auch wenn man denkt, es sei vollendet, kommt wieder Harz heraus. Da ärgert man sich schon. Auch kann die grobporige Beschaffenheit durchaus dazu führen, dass man die Oberfläche nicht so optimal glatt bekommt.


Hartes Holz hat zwar auch etwas Harz, aber bei weitem nicht so viel wie Nadelhölzer. Es eignet sich auch besser zur Verarbeitung von Tischplatten oder Schneidebrettern, da solche Arbeitsplatten stärker beansprucht werden. Weichhölzer können zwar leichter bearbeitet werden, aber weisen auch schnell Gebrauchsspuren auf. Ich verwende zwar beide Holzsorten für meine Arbeiten, aber versuche auch die Holzer korrekt einzusetzen.


 

An sich gibt es hier kein absolutes richtig und kein absolutes falsch. Jeder Holztyp, egal ob hart oder weich, hat seine Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass wir respektvoll und verantwortungsbewusst mit dem schönen Naturmaterial umgehen und es auch gut verarbeiten. Im Zander Holzstudio ist Recycling und nachhaltiges Denken ein Teil der grundlegenden Philosophie und daher nutze ich beide Holztypen für meine Arbeiten.


Wenn euch meine Beiträge gefallen, dann freue ich mich natürlich über euer Feedback und auch über ein Abonnement von eurer Seite. Bleibt dran für weitere Infos in der Zukunft.


Euer Marco



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