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Epoxid-Harz richtig verarbeiten

Aktualisiert: 1. Feb. 2022

Der Weg zum dekorativen Harzprodukt


Aus Erfahrung lernt man ja bekanntlich. So geht es jedem. Umso wichtiger finde ich es, euch ein wenig an meinem Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. Hoffentlich macht ihr dann nicht dieselben Fehler, die mich schon teilweise zur Weißglut gebracht haben. Das ging schon von der wiedergewonnenen Erkenntnis, dass Holz schwimmt, und dass Epoxid-Harz echt ein anspruchsvolles Produkt ist. Da es auch nicht gerade günstig im Einkauf ist, macht es umso mehr Sinn, mehr darüber zu erfahren.



Die Epoxid-Tischplatte beim Nassschliff
Die Epoxid-Tischplatte beim Nassschliff

Weiter unten bekommt ihr die einzelnen Punkte, auf dich ich nun zukünftig achte, aufgelistet. Schaut gern einmal rein und plant dann euer erstes eigenes Epoxid-Projekt.


 

Anbieter deines Vertrauens finden


Wichtig: den besten Lieferanten finden, dem man selbst vertraut und für einen das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet. Auch sollte der Lieferant dem eigenen Werteverständnis entsprechen und sich auch zunehmend für nachhaltige Produktion und umweltfreundliche Methodiken interessieren.


Epoxid-Harz bekommt man in diversen Qualitäten von unterschiedlichen Lieferanten. Im Baumarkt kann man sich Epoxid-Harz in der Bootsabteilung kaufen, aber ich habe davon immer abgesehen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist meines Erachtens leider nicht gegeben. Auch sind diese Harze nicht für den Guss gedacht, sondern lediglich zum Abdichten oder Versiegeln. Nehmt auch Abstand von No-Name Harzprodukten, wo man nicht genau weiß, wie diese produziert werden, welche Schadstoffe sie beinhalten und wie sie zu verarbeiten sind. Dann investiert lieber etwas mehr, dann aber aus vertrauensvoller Quelle.


Es gibt mittlerweile auch sehr gute Onlinehändler die Epoxid-Harz in verschiedenen Verwendungszwecken anbieten - sowohl für eine Versiegelung als auch für den dicken Guss. Schaut gern mal bei Epodex oder Dipon vorbei und macht euch ein eigenes Bild. (nein, ich werde für die Werbung und Referenz nicht bezahlt)


 

Gussformen richtig abdichten und versiegeln


Ohhh, da gibt es Stories, aber hier versuche ich mich mal kurz zu fassen. Wenn ihr eine Gussform baut, dann nutzt am besten als Material Pressspanplatten aus dem Baumarkt. Diese müssen nicht teuer sein, aber stabil. Ich verwende sie auch immer wieder von neuem. Zwar muss man die Formen immer wieder von neuem mit Paketband mit glatter Oberfläche abdecken und die Kanten und Fugen mit Sanitärsilikon abdichten, aber immerhin ist es stabil und nachhaltig.


Alternativ bekommt man auch mittlerweile schon Silikonformen in verschiedenen Größen, die das Gießen noch einfacher machen. Diese Formen sind sogar hitzebeständig bis zu 230°c und lassen sich auch schnell reinigen. Zu guter Letzt ist sie leichter im Gewicht und ebenso nachhaltig, weil sie wiederholt genutzt werden kann.


Vor dem Guss ist es wichtig ein silikonlösemittelfreies Trennmittel zu nutzen, um die Gussformen vor dem Guss und der Holzplatzierung zu behandeln. Das vereinfacht enorm die spätere Handhabe.


 

Achtung bei der Temperatur


Die Temperatur ist ein wichtiger Faktor generell bei der Harzverarbeitung. Zum einen die Lagerung: das Harz und der Härter, sollten bei Zimmertemperatur gelagert werden. Wenn es zu kalt wird, dann fängt das Harz an zu flocken und verbindet sich nicht mehr so schön mit dem Härter. Diese Flocken sind gerade bei glasklaren Harzprojekten nicht wirklich attraktiv. Das hatte ich beispielsweise bei meinem ersten Gussprojekt. Allerdings hatte ich da Glück im Unglück und es sah dann gewollt aus, wie ein zugefrorener See.


Epoxid-Tischplatte mit dem Frosteffekt
Epoxid-Tischplatte mit dem Frosteffekt

Das Aushärten des Harzes braucht ungefähr 2 Wochen bis man die Platte aus der Form nehmen- und mit der Bearbeitung fortfahren kann. Wenn man es vorher herausnimmt, kann es passieren, dass sich die Platte nachträglich noch verbiegt. Glaubt mir, ich habe es erlebt. Die Aushärtung sollte auch in Zimmertemperatur erfolgen.


Die Bearbeitung des Harzes und die spätere Verwendung sind ebenfalls zu berücksichtigen. Generell ist das Harz schon ein dekoratives Zeug, hat aber auch seine Tücken. Das Schleifen sollte nicht in direkter Sonneneinstrahlung erfolgen denn sonst wird es zu heiß und verbiegt sich. Auch ist es nicht für den Außenbereich gedacht, denn viele planen einen Esstisch auf der Terrasse zu platzieren unter der Sonne. Das würde ich persönlich nicht empfehlen, da die Tischplatte dann schnell die Grätsche machen kann. Generell darf die Platte nicht wärmer als 35 °c werden. Keine Sorge, das Epoxid-Harz wird nicht gleich total weich, aber unter längerer Hitzeeinwirkung kann es zu Mängeln kommen.


 

Harz korrekt gießen


So, die Holzstücke bereit und die Gussformen sind versiegelt. Wie geht es nun weiter? Natürlich reinpuzzeln und gleich alles reingießen.... Falsch. Reinpuzzeln ja, aber wenn man gleich das gemixte Harz gleich komplett reingießt, wird man schnell sein blaues Wunder erleben. Denn, welch Überraschung, Holz schwimmt ja. Wenn man also das Holz vorher nicht am Boden fixiert, dann hat man später Holzstücke à la Seerose. Sprich, man ärgert sich weil man das Holz wieder runterdrücken muss und schon hat man harzige Finger.


Also ich habe ja schon mehrere Versuche gestartet zum Fixieren. Erst mit Schraubzwingen und Holzstücken fixiert und das funktioniert an sich für große Holzstücke ganz gut, aber wenn man diverse kleine Holzscheiben hat, dann wird es schwierig. Dann habe ich mich mit mal mit Silikon als Klebemittel versucht, allerdings tendiert das Silikon dazu sich zu dehnen und somit schwimmen die Holzplatten trotzdem zu einem gewissen Grad.


Fixierung mit Schraubzwingen und Holzstücken
Fixierung mit Schraubzwingen und Holzstücken

Die beste Methode, die ich für mich entdeckt habe, ist die Fixierung mit einem "Klebeguss" durch gemixtes Harz. Hier puzzele ich die Holzscheiben in die Gussform und gieße das Epoxid-Harz in die Zwischenräume auf die Höhe von ca. 2 mm. Somit kann das Holz noch nicht vom Boden abheben aber der Klebeeffekt ist vorhanden. Es kann auch sein, dass man mehrfach eine hauchdünne Schicht gießen muss, da das Holz ja auch einen Teil des Harzes aufsaugt, aber für mich ist es die bisher beste Methode. Zwar braucht man wieder 3 Tage mehr zur Erstellung des Produkts, weil das Harz auch aushärten muss, allerdings schließt man spätere negative Überraschungen komplett aus.


Wie mixe ich das Harz korrekt? Prinzipiell auf die Herstellerinformationen achten. Ich mixe mein Harz + Härter im Verhältnis 2:1. Hier empfiehlt es sich penibel genau zu arbeiten und eine Küchenwaage zu nutzen. Verrühren sollte man das Harz entweder mit einem sauberen Holzspatel oder einem Beton / Farbmixaufsatz für den Akkuschrauber. Dabei wird das Harz Blasen produzieren. Dann einfach eine Weile ruhen lassen oder ggf. auch das Harz im warmen Wasserbad erhitzen. Das Harz sollte auf jeden Fall beim Guss keine Blasen haben. Wenn es dennoch Blasen nach dem Gießen gibt: mit einem Heißluft-Föhn mehrfach drüber gehen.


Wenn man nun den Rest gießt, ein paar Tage später, dann bis auf die Höhe des Holzes. Wenn der niedrigste Rand des Holzes erreicht ist, dann lässt man das Harz ruhen. Am besten erfolgt der Guss in einem gut temperierten Raum, wo nicht gearbeitet wird. Somit können keine Staubpartikel in das Harz eindringen bzw. sich auf das Harz legen. Auch solltet ihr darauf achten, dass die Gussform gerade liegt. Eine Wasserwaage wirkt hier Wunder. Zu guter Letzt sollte noch eine Malerfolie untergelegt werden, falls doch mal die Abdichtung der Form nicht ganz gelungen ist.


Wichtig: während des Aushärtens habe ich mal die Form abgedeckt und das war ein großer Fehler. Warum? Das Harz kocht während des Härtens noch einmal auf und kreiert demnach viel Hitze. Die Abdeckung verhindert, dass die Hitze entweichen kann und somit können sich unschöne Blasen und Lufteinschlüsse bilden, die man später nicht mehr entfernbar sind.


 

Korrekt abschleifen


Nachdem die Tischplatte oder das Brett aus der Gussform befreit wurde, erfolgt das Finetuning. Wenn der Höhe zwischen den Holzränder und der Oberfläche des Harzes noch zu unterschiedlich ist, kann man es entweder mit einer Fächerscheibe richten (Achtung, staubige Notlösung) oder mithilfe eines Fräseschlittens lösen. Was das genau heißt, zeige ich euch in einem anderen Beitrag.


Wenn die Platte plan geschliffen ist, dann erfolgt die eigentliche Schleifarbeit. Hierzu benutze ich eines meiner liebsten Werkzeuge: den Exzenter Schleifer. Prinzipiell beginnt ihr mit einer Körnung von grob 40 bis ultrafein 2000. Immer wieder nach jedem Schleifgang mit der Hand drüber streifen, um Unebenheiten zu entdecken und weiter geht es. Hier braucht es wirklich Geduld und Ausdauer. Denn es kann wirklich sein, dass so ein Schleifgang schon mehrere Stunden dauern kann pro Seite...und bei 6 Seiten pro Werkstück kann das schon einmal dauern.



Wichtig: Arbeitsschutz steht über alles. Daher immer mit Augenschutz, Hörschutz und Atemschutz arbeiten. Andernfalls landen gefährliche Schadstoffe in die Lunge und die Augen. Durch die Geräuschkulisse werden es die Ohren auch nicht danken. Daher schützt euch immer bei der Arbeit.




Die letzte Ölung


Klingt vielleicht übel, aber es ist einer befriedigendsten Schritte der ganzen Verarbeitung. Denn hier offenbart sich die Schönheit des fertigen Werkstücks, weil die ganzen Schleifstaubpartikel weggewischt werden und die Maserung des Holzes richtig schön zur Geltung kommt.


Hier nutze ich ein lebensmittelfreundliches Hartwachsöl, das ich gut verarbeiten lässt und aushärtet aufgrund der Wachsbasis. Normalerweise sollte man auf die Herstellerinfos zur Verwendung achten, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass man das Werkstück satt mit dem Öl einstreicht und für 45 Minuten einziehen lässt. Das Holz wird das Öl aufsaugen wie ein Schwamm, daher ab und zu mal schauen, ob es ölfreie Flächen gibt. Dann dort wieder etwas Öl hinzufügen. Nach der Einwirkungszeit die Ölreste mit einem Küchentuch oder Baumwollfetzen restlos entfernen und von Hand das Werkstück nachpolieren. Für die nächsten Tage sollte das Werkstück dann weit weg vom Wasser ruhig liegen. Am besten ihr ölt erst eine Seite und dann später die andere. Dann kann nichts schiefgehen.



Der Harz Guide


Wenn euch meine Beiträge gefallen, dann freue ich mich natürlich über euer Feedback und auch über ein Abonnement von eurer Seite. Bleibt dran für weitere Infos in der Zukunft.


Euer Marco

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