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Messer schmieden - eine Motivation


Alles fing bei mir mit dem Schmieden von Messern an, bevor ich meine Freude an Holzarbeiten entdeckt- und das Zander Holzstudio gegründet habe. Zwar verkaufe ich keine Messer und mache das nur als Hobby, um meine Fertigkeiten als Hobbyschmied zu verfeinern, aber es ist immer wieder eine Herausforderung und gleichzeitig ein Highlight.


Seien wir ehrlich: ein eigenes Messer zu schmieden hat schon etwas Uriges. Immerhin gehört das Schmiedehandwerk zu den ältesten Zünften der Geschichte. Das Nutzen der Elemente um aus einfachen Materialen ein Werkzeug zu schaffen, den heißen Stahl in Form zu bringen, die Klinge von Hand zu schleifen und fein zu schärfen, bis man es im Alltag verwenden kann.


Ein Messerpaar aus altem Stahl und Griffen aus Fichtenholz
Ein Messerpaar aus altem Stahl und Griffen aus Fichtenholz

Normalerweise sieht man es nur in Filmen oder in Videospielen. So bin ich auch dazu gekommen und habe mich weiter im Internet, sprich Youtube, inspirieren lassen. Dort gibt es so viele Hobbyschmiede, die wirklich kreativ sind und wunderschöne Klingen aus altem Stahl erschaffen. Dann kam aber der Punkt, wo ich es mal selbst ausprobieren wollte, denn ich wollte nicht immer träumen, sondern es wirklich mal selbst versuchen, um mir mein eigenes Bild zu machen.



 

Keine Angst haben, es auszuprobieren


Zu aller erst möchte ich mal etwas Grundlegendes sagen. Oftmals möchte man etwas ausprobieren, aber zweifelt gleichzeitig daran, ob man das auch kann oder gut genug ist. Letztendlich aber wirst du es nie erfahren, bis du es nicht einmal ausprobiert hast. Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich mal irgendwann an der Esse oder dem Amboss stehe, denn das ist ja auch heutzutage nicht wirklich alltäglich.


Lass dich nicht von jemandem demotivieren oder dir sagen, dass du es nicht schaffen kannst. Glaub mir, vielleicht wird das erste Schmiedestück nicht gleich perfekt, das zweite vielleicht auch nicht, aber mit jedem Stück wirst du besser werden. Außerdem hast du dann auch etwas interessantes zu erzählen und findest vielleicht auch Gleichgesinnte, die mir dir zusammen das neue Hobby ausprobieren möchten.


 

Mach den ersten Versuch mit einem Schmiedemeister


Ich habe damals nicht einfach willkürlich eine Esse und alles andere Material gekauft, sondern mich erst einmal für einen 2 tägigen Schmiedekurs in einer freien Werkstatt angemeldet. Zwar musste ich das Wochenende dafür investieren, aber das war es wirklich wert. In Potsdam gibt es eine freie Werkstatt, die im Sommer diese Kurse anbietet. https://www.inwole.de/werkhaus-potsdam-schmiede


Hier habe ich gelernt, richtig mit der Esse umzugehen, den Stahl richtig einzuschätzen und korrekt zu handhaben, damit er nicht bricht, reißt oder sogar verbrennt. Ja, Stahl kann auch in der Esse verbrennen und wenn das passiert, ist das mehr als ärgerlich. Außerdem konnte ich so feststellen, ob mir das Schmieden überhaupt Freude bereitet oder ob ich es mir einfacher vorstellt habe und ich deswegen keine Lust mehr dafür entwickeln würde. In meinem Fall war es ein Schmiedewochenende auf Augenhöhe, was mir sehr gut gefallen hat. Man wurde beraten und Hilfe war immer da, wenn ich sie brauchte, aber man konnte auch seine eigenen Erfahrungen machen.


Informiere dich daher einfach mal, ob irgendwo in deiner Gegend ein Schmiedeworkshop angeboten wird. Glaub mir, es wird sich lohnen, um erste Erfahrungen zu sammeln und ein Gefühl dafür zu bekommen. So sparst du dir auch erste Ausgaben wegen der Werkmittel. Im schlimmsten Fall hast du nämlich eine Menge Geld ausgegeben und nutzt deine neuen Errungenschaften leider gar nicht, wenn du am Schmieden keine Freude hast.


 

Smart investieren und nicht willkürlich Geld ausgeben


Zugegeben: Schmieden kostet auch etwas Geld, aber wenn man es richtig anpackt, kann man schon sehr geldbewusst an die Sache herangehen. Ein Beispiel: ich wollte damals kein Geld für eine Feld-Esse oder eine Gas-Esse ausgeben, denn diese können schon ein paar Hundert Euro kosten. Dazu kommt dann noch Holzkohle oder Gas. Beides ist leider mittlerweile auch teuer geworden und beim Schmieden verbraucht man recht viel Brennmaterial.


Esse selbst bauen

Also habe ich mir aus einem alten Grillfass, das Vaddy schon wegschmeißen wollte, einfach zu einer Holzkohleesse umgebaut. Alles, was es brauchte, war ein Rohr am unterem Ende und ein Gebläse. Das war in meinem Fall ein aller Haarfön, der für den Elektroschrott gedacht war. Alles etwas versiegelt mit feuerfestem Mörtel und schon war die Esse fertig.


Meine Holzkohle-Esse Marke Eigenbau aus einem alten Grillfass
Meine Holzkohle-Esse Marke Eigenbau aus einem alten Grillfass

Natürlich brauchte ich dafür eine Menge Holzkohle. 10 kg zu verbrauchen für einen Schmiedetag ist wirklich keine Seltenheit. Da kannst du dir schon einmal ausrechnen, was man so an Kosten hat, wenn man etwas schmieden will.


 

Die Stahlsorten


„Gute Messer kann man nur aus härtbarem Stahl machen“ – dem stimme ich nicht zu. Professionelle Schmiedemeister kaufen härtbaren Stahl für die hochwertigen Messer, von deren Verkauf sie leben müssen, aber das bedeutet nicht, dass man nicht auch aus anderen Stahlsorten sehr scharfe Messer fertigen kann. Ok, man muss sie öfter schärfen aber ich habe meine Messer aus alten Stahlresten gefertigt, von denen ich nie wusste, ob es jetzt härtbarer Stahl ist oder nicht. Nach der Funkenprobe wusste ich dann, dass er es nicht war.


Funkenprobe

Was ist denn eine Funkenprobe? An sich nutzt du den Winkelschleifer mit einer Schrubb- oder Trennscheibe und „bearbeitest“ damit das Metall. Wenn es viele helle Funken gibt, dann hat das Metall einen hohen Kohlenstoffanteil und ist somit härtbar. Wenn wenig Funken auftreten, ist der Anteil an Kohlenstoff logischerweise geringer und das Metall ist weicher.


Es bedeutet aber nicht, dass du für deine ersten Schmiedeversuche zum Üben gleich hochwertigen, härtbaren Stahl verwenden musst. Verwende einfach das, was du zur Verfügung hast. Oftmals findest du auch auf Schrottplätzen nützlichen Stahl zum kleinen Preis. Autofedern, Blattfedern und Achsen sind meist aus härtbarem Stahl gemacht, nur als Tipp. Vermeide Stahl mit Ätzungen oder dicken Lackschichten. Diese zu entfernen dauert sehr lange und du weißt nie, wie das Metall darunter ausschaut.


Muss es immer Damast sein?

Ganz klares NEIN. Für den ersten Versuch muss es auf keinen Fall ein Damastmuster sein. Das Schmieden von Klingen im Damaststil ist sehr anspruchsvoll und da können viele Fehler passieren. Du kannst dich daran versuchen, wenn du ein bisschen mehr Erfahrung im Schmieden gesammelt hast. Außerdem benötigst du dafür wieder verschiedene Stahlsorten, die du zusammenschweißen musst. Das heißt du brauchst einerseits Flussmittel für die Schmiede und gleichzeitig ein Schweißgerät um dein Stahlpaket zusammenzusetzen. Dann musst du die Klinge später auch in Säure ätzen. Das kostet alles wieder Geld und wäre für den ersten Schmiedeversuch einfach zu viel des Guten.


 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen


Also wenn du bei deinem ersten Schmiedeversuch ein vollkommen makelloses Messer, ohne Schrammen, kleine Schleifspuren etc. hinbekommst, dann hast du meinen absoluten Respekt. Dann ging es dir garantiert besser als mir. Aber selbst wenn du Makel auf der Klinge hast, dann ist das für den ersten Versuch doch schon klasse. Immerhin übst du immer weiter und verfeinerst deine Fertigkeiten und erweiterst dein Wissen. Ich finde es auch wichtig, Fehler zu machen und aus diesen Fehlern zu lernen.


Falsch abgeschreckt = Bruch

Ein Beispiel? Ich habe mal aus einer Feile ein Messer geschmiedet und war von der Form total zufrieden. Dann wollte ich die Klinge abschrecken und somit härten, sprich die glühende Klinge wird in Wasser oder Öl getaucht. Bei mir war es Wasser. Leider hat sich die Klinge verzogen durch das Abschrecken und ich wollte sie noch durch leichte Hammerschläge begradigen… und KLING… schon war die Klinge in zwei Teile zerbrochen. Klar habe ich geflucht wie ein Rohrspatz und es war schade um die ganze Arbeit aber somit habe ich aus dem Fehler gelernt und mache ihn kein zweites Mal.


Abschrecken ist immer etwas Aufregendes und man kann nie vorher wissen, ob sich die Klinge verzieht oder nicht. Wenn gerade – super, wenn verzogen – wieder erhitzen und dann in Form bringen und erneut einen Abschreckversuch starten.


Mach einfach deine eigenen Erfahrungen und lerne so mit jedem Schmiedestück dazu.


 

Ein kleiner Exkurs zu meinem Messern


Hier zeige ich dir mal, dass ich auch kein Experte bin, und auch Fehler gemacht habe und hoffentlich auch noch machen werde. Anhand der folgenden Beispiele siehst du den kleinen Fortschritt.


Nr. 1 - mein allererstes eigenes Messer

Dieses Messer habe ich aus einer alten Autofeder geschmiedet in der Potsdamer Werkstatt. Wie du siehst sind viele Makel auf der Klinge. Hammerspuren, tiefe Zunderstellen und auch ein Griff, der unförmig ist. Aber es ist mein erstes Messer und das halte ich in Ehren.


Mein erstes Messer aus einer Autofeder, mit Makeln aber selbst geschmiedet
Mein erstes Messer aus einer Autofeder, mit Makeln aber selbst geschmiedet

Nr. 2 - Mein Werkstatthelfer Nummer Eins

Dieses Messer ist aus weichem Stahl gefertigt und mein täglicher Begleiter in der Werkstatt. Hier sind zwar keine Zunderstellen dran, aber Schleifkratzer. Auch ist die Klinge etwas unförmig und der Griff schaut etwsa billig zusammengewürfelt aus, aber keins meiner Messer schneidet Kartons besser als diese Klinge.


Mein Werkstattmesser und täglicher Begleiter beim Werkeln
Mein Werkstattmesser und täglicher Begleiter beim Werkeln

Nr. 3 - Ein Messer aus einer Feile

Hier habe ich mal ein Messer aus härtbarem Stahl geschmiedet und hier war ich schon deutlich zufriedener als zuvor. Aber auch hier siehst du Schleifkratzer an der Klinge. Hier hieß es, schleifen, schleifen, schleifen. Der Griff ist aus Resten eines Schneidebretts gefertigt und mit Stiften aus Aluminium verstärkt.



Nr. 4 - Mein Jagdmesser

Auch wenn ich kein Jäger bin, so wollte ich mal ein schönes Jagdmesser schmieden und hierzu habe ich auch weichen Stahl verwendet. Hier hatte ich schon etwas mehr Erfahrung gesammelt und die Klinge zeigt deutlich weniger Makel als die vorigen Messer. Der Griff ist aus Fichten- und Eichenholz gefertigt.



Ein Jagdmesser aus gebrauchtem Stahl - Zander Holzstudio
Ein Jagdmesser aus gebrauchtem Stahl

Wie du siehst, entwickelt man sich mit jedem Schmiedestück immer weiter und eignet sich neue Kenntnisse an. So war es auch bei mir und es ist immer wieder aufregend ein neues Messer zu planen und zu fertigen.


 

Fazit


Schmieden ist nicht umsonst eines der ältesten Handwerke der Geschichte und damals hat es viele Jahre gedauert diese Kunst zu erlernen. Daher kann man nicht erwarten, es innerhalb von ein paar Monaten zu erlernen. Ich möchte dich dazu motivieren, es jedoch auszuprobieren.


Lass dich nie von jemanden demotivieren oder dir einreden, dass du etwas nicht kannst. Lass dich auch nicht demotivieren von ersten Misserfolgen oder Fehlern, die du machen könntest oder wirst. Aus diesen Fehlern lernst du immer wieder neu dazu und sammelst somit neue Erfahrung. Vielleicht interessiert dich ja auch die Zander Holzstudio Philosophie in dem Punkt "Mut zum Makel". Handarbeit ist auch mit authentischen Spuren verbunden, die dein Werkstück ausmachen und ihm Charakter verleihen.


Mit dem Beitrag möchte ich dich bestärken, deine Träume und Vorstellungen anzupacken und in die Tat umzusetzen. Lass dich auf Youtube oder von anderen Schmieden inspirieren und schaffe etwas ganz Neues aus ursprünglichen Materialien. Glaub mir, es wird dein Selbstbewusstsein stärken und dich mit Stolz erfüllen. Immerhin soll das Schmieden keine Bürde sein, sondern vor allem Spaß machen.


 

Wenn dir meine Beiträge gefallen, dann freue ich mich natürlich über dein Feedback und auch über ein Abonnement von deiner Seite. Bleib dran für weitere Infos in der Zukunft.


Interessierst du dich für ein Servier- oder Schneidebrett aus dem Zander Holzstudio? Dann schaue doch einfach mal kurz im Shop vorbei und wähle deinen Favoriten aus. Natürlich alles absolute Unikate.


Besten Gruß aus der staubigen Werkelbude, Marco

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