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Klimawandel: Wir brauchen mehr (Laub)Wald


Deutschland ist nach Aussagen der Forstwirtschaft das waldreichste Land in Mitteleuropa. Ungefähr 11,4 Millionen Hektar des Landes ist mit Wald bedeckt. Das ist ca. ein Drittel der Gesamtfläche des Landes (35,758 Millionen Hektar). Nichtsdestotrotz gibt es in Deutschland noch viele ungenutzte Flächen, die Raum für weitere Wälder bieten. Warum brauchen wir also mehr Wald?



Ein Mischwald in der Gemeinde Schwielowsee, südwestlich von Berlin
Mischwälder nehmen mehr CO2 auf.
 

Deutschland als Mitteleuropas Waldparadies


Dadurch, dass Deutschland das Land mit der größten Waldfläche in Mitteleuropa ist, könnte man es durchaus als Waldparadies bezeichnen. Jedoch gibt es noch viele weitere Europäische Länder, die einen höheren Anteil an Wald pro Landesfläche haben, allerdings ist hier auch die Landfläche zu berücksichtigen.


Die Waldanteile je nach Landesfläche pro Land in Europa (%) Quelle: Welternährungsorganisation (FAO), Vereinte Nationen
Die Waldanteile je nach Landesfläche pro Land in Europa (%) Quelle: Welternährungsorganisation (FAO), Vereinte Nationen

Die obere Darstellung zeigt den prozentualen Anteil von Waldflächen bezogen auf die gesamte Landesfläche. Deutschland ist nach wie vor das Land mit der höchsten Waldfläche in Hektar. Mal sehen, wie sich die deutschen Wälder je Bundesland verteilen.



Es ist ersichtlich, dass Rheinland Pfalz und Hessen die waldreichsten Bundesländer sind. Die nördlichsten Bundesländer bilden das Schlusslicht im Waldanteil. Brandenburg gehört zu den Top 5. Es ist nicht umsonst das Land der Seen und Wälder. Das macht mich natürlich besonders stolz. Merklich ist das Potential weiterer Aufforstungsprojekte in den nördlichen Ländern.


 

CO2 Emissionen vs. Reduktion


Wie wir nun wissen, ist Deutschland das waldreichste Land Mitteleuropas, allerdings weist das Land auch die höchste Produktion von CO2 (Kohlenstoffdioxid) auf. In den weltweiten TOP 15 der CO2 produzierenden Länder bewegt sich Deutschland im Mittelfeld. Bis auf die Türkei ist es allerdings das einzige Europäische Land in dieser Statistik (2022).


China 30,65 %

USA 11,54 %

Indien 7,02 %

Russland 4,53 %

Japan 2,96 %

Iran 2,14 %

Deutschland 1,85 %

Saudi Arabien 1,80 %

Korea 1,72 %

Indonesien 1,69 %

Kanada 1,54 %

Brasilien 1,34 %

Südafrika 1,30 %

Australien 1,13 %

Türkei 1,13 %


China ist absoluter Spitzenreiter an CO2 Emissionen, was sicherlich auf die Wirtschaft, Bevölkerung und die Industrie zurück zu führen ist. Solange dort keine essentiellen Reduzierungsmaßnahmen vorgenommen werden, so wird auch der CO2 Ausstoß weiter voranschreiten.


Ich möchte hier jetzt natürlich keinen Vortrag über Wirtschaft etc. halten, denn da gibt es andere Experten. Allerdings hat die übermäßige Produktion von "Made in China" Produkten natürlich auch mit der bestehenden Nachfrage in der Welt zu tun. Würde die Nachfrage sinken und der Hang zu günstigen Produkten aus Fernost zurückgehen, so würde auch die Produktion in der Industrie verringert werden. Auf der anderen Seite haben viele Haushalte keine preisliche Alternative. Der Konsum in der Gesellschaft, hat sich den Bedürfnissen der Klimaneutralität leider noch nicht angepasst. Das gilt nicht ausschließlich der deutschen Bevölkerung, sondern global.



Aber wie schaut es in Deutschland mit den Treibhausgasen aus?


Die Emissionen von Treibhausgasen sind in den letzten 30 Jahren stetig gesunken (1990: 1.242 Millionen Tonnen vs. 2021: 762 Millionen Tonnen). Allerdings rechnet man in 2022 mit einer leichten Erhöhung der Treibhaus Emissionen aufgrund von Energiebedarf und den ausbleibenden Gaslieferungen aufgrund des Konflikts in der Ukraine. Der Bedarf an Energie ist nach wie vor gegeben und auf fossile Brennstoffe wird zu der Zeit verstärkt zurückgegriffen.


Ein massiver Eichenbalken wird gerade abgeschliffen
Die Senkung von Treibhausgasen von 1990 bis 2021 Quelle: Umweltbundesamt
 

CO2 Aufnahme & Speicherung im Holz


Auch wenn die Produktion von Treibhausgasen gesunken ist, so können die Wälder des Landes nur einen bestimmten Anteil verbrauchen bzw. aufnehmen.


Hier mal eine grobe Rechnung (zwar Milchmädchenrechnung, aber als ersten Eindruck genügt es):


  • Laut Faustregel verbraucht ein Hektar Waldfläche pro Jahr 6 Tonnen Kohlenstoffdioxid.

  • In Deutschland haben wir eine Fläche von ca. 11,4 Millionen Hektar Waldfläche.

6 Tonnen x 11.400.000 Hektar = 68.400.000 Tonnen CO2 Speicherung


  • Deutschland produzierte im Jahr 2021 ca. 674 Millionen Tonnen CO2 (aus 762 Millionen Tonnen Treibhausgas)

68.400.000 Tonnen CO2 x 100% / 674.000.000 Tonnen CO2 = 10,15 %


Also kann nach dieser groben Rechnung gesagt werden, dass nur 10,15 % des produzierten CO2 in Deutschland in den Wäldern gespeichert werden kann. Das ist sehr wenig in Anbetracht, dass über 89% in der Atmosphäre verbleiben und den Treibhauseffekt weiter verstärken.



Ist die Faustregel gesetzt oder kann sie noch verbessert werden?


Betrachten wir auch einmal die Verteilung der Baumarten in Deutschland so sehen wir auch deutlich ein Potential der Verbesserung der Faustregel.


In meinen Blogbeiträgen zu den verschiedenen Holzarten, sieht man, dass Nadelhölzer in Deutschland aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung dominieren.


Fichte: 32 % der gesamtdeutschen Waldfläche = 3.648.000 Hektar

Kiefer: 24 % der gesamtdeutschen Waldfläche = 2.736.000 Hektar

Buche: 15,8 % der gesamtdeutschen Waldfläche = 1.801.200 Hektar

Eiche: 10,6 % der gesamtdeutschen Waldfläche = 1.208.400 Hektar


Nadelhölzer haben aufgrund ihrer Dichte und Beschaffenheit eine geringere Speicherkapazität als Laubhölzer. Letztere haben eine höhere Dichte und wenige Lufteinschlüsse. Dies resultiert aus der langsameren Wachstumsgeschwindigkeit der Baumarten. Laubhölzer wachsen langsamer und nehmen dabei im Laufe der Zeit CO2 auf. Dies steht auch in Wechselwirkung mit Brenn- und Heizwert der unterschiedlichen Baumarten.



Wie berechnet sich die Kohlenstoffspeicherung?


Dazu wird die Darrdichte des Holzes genutzt. Diese ist je nach Holzart unterschiedlich. Weiche Holzarten haben eine geringere Darrdichte als Hartholz. Die Darrdichte wird durch 2 geteilt, da ein Baum zu 50% aus Kohlenstoff besteht. Die Menge an Kohlenstoff wird mit dem Faktor 3,67 multipliziert, um die gespeicherte Masse an CO2 zu berechnen.


Ein Beispielvergleich:


Fichte: 100 Jahre alt und mit einem Durchmesser von 50 cm und eine Wuchshöhe von 35 Metern. Das Holzvolumen beträgt 3,4 Kubikmeter exklusive Wurzeln, inklusive Geäst. Die darin enthaltene Biomasse beträgt 1,4 Tonnen. Somit ist der Kohlenstoffanteil 0,7 Tonnen. Diese Masse x 3,67 ergibt gespeichertes CO2 von 2,569 Tonnen.


Buche: 3,4 Kubikmeter Buchenholz haben eine Trockenmasse von 1,9 Tonnen. Somit ist der die Masse des gespeicherten Kohlenstoffs 0,95 Tonnen. Multipliziert mit 3,67 beträgt die Masse an gespeichertem Kohlenstoffdioxid 3,466 Tonnen.


Somit hat die Buche fast eine Tonne mehr CO2 aufgenommen, als das Nadelholz.



Zwischenfazit des Vergleichs:


Wir sehen, dass Laubholz aufgrund der Dichte mehr CO2 aufnehmen kann als Nadelhölzer. Allerdings weisen die Wälder in Deutschland einen deutlich höheren Anteil an Nadelhölzern auf, als Laubholz. Dies ist für die Wirtschaft natürlich enorm wichtig, da die Wachstumsgeschwindigkeit von Laubhölzern deutlich geringer ist, jedoch ist es für die CO2 Speicherung relevanter mehr Laubbäume zu pflanzen. Nachhaltige Forstwirtschaft aus wirtschaftlicher Sicht begünstigt allerdings die Aufforstung durch Nadelhölzer um den Bedarf zu decken.


Momentan haben wir hier in Brandenburg aber auch in anderen Regionen Deutschlands starke Monokulturen von Kiefer und Fichte. Die letzten Jahre haben allerdings auch gezeigt, dass diese Wälder bei starker Trockenheit besonders anfällig für Waldbrände im Sommer waren. Viele Hektar Wald fielen den Flammen zum Opfer. Daher wäre es empfehlenswert Mischkulturen aus Nadel- und Laubhölzern zu integrieren. Das könnte die Gefahr eines Waldbrandes vermindern.


 

Aufforstungsprojekte


Glücklicherweise existieren seit Jahren einige Initiativen, die sich vermehrt mit dem Thema Aufforstung in Deutschland beschäftigen. Es sei gesagt, dass jede Initiative unterschiedlich vorgeht und eine andere Philosophie verfolgt. Einige beschäftigen sich eher mit dem Pflanzung von Setzlingen, andere setzen sich für den Erhalt von bestehenden Waldflächen und der Umwandlung von Nadel-Monokulturen in Mischwälder aus Nadel- und Laubbäumen. Erfreulich ist, dass bereits Flächen in Südwest Brandenburg freigegeben wurden, um vermehrt Mischwälder zu schaffen.


Hier mal ein paar Initiativen als Beispiele:



 

Ein CO2 Fresser - Der Kiri-Baum


Wer meinen Blog verfolgt hat, weiß, dass ich ein großer Fan des Kiri-Baums aus Fernost bin. Diese Pflanze ist ein wahrer CO2 Fresser und speichert in seinem Leben ca. das 4 Fache an CO2 verglichen mit der heimischen Buche.


Ich selbst habe mir vor einem Jahr einen Kiri-Baum im Garten des Zander Holzstudios gepflanzt und bereits nach einem Jahr ist der Baum größer als ich (1,77 m). Der Baum wächst sehr schnell. Im Durchschnitt soll er bis zu 2 Meter im Jahr wachsen.


Mehr erfahrt ihr hier direkt in meinem Blogbeitrag.

 

Fazit:


Auch mit der größten landesweiten Waldfläche können gerade mal knapp über 10% des produzierten CO2 durch die Bäume aufgenommen werden. Das hat einerseits mit dem hohen CO2 Wert aber auch mit der Beschaffenheit der Wälder zu tun. Mischwälder mit einem höheren Laubbaumanteil haben hier mehr Potential und Kapazität der CO2 Speicherung.


Es existieren bereits vermehrt Initiativen, die sich um die Aufforstung und Umgestaltung der Wälder kümmern, allerdings sind diese noch recht klein. Zudem bedingen andere Umweltfaktoren, wie Wassermangel, Energiebedarf der Bevölkerung und auch Inflation ein Fortschreiten der Waldentwicklung. Es ist leider ein Teufelskreis und wir haben noch keine Stelle des Durchdringens gefunden.


 

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Besten Gruß, Marco



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